Von da Wies’n

Nein, natürlich meinen wir jetzt nicht das Oktoberfest! Wir schreiben von dem, was das Flair des Südburgenlandes ausmacht: die Streuobstwiesen.
Diese alte Form der Obstkultur ist leider in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen. Typisch dafür sind nämlich einzeln auf einer Wiese verstreute Hochstamm-Obstbäume – viel zu „unwirtschaftlich“ für „moderne” Obstproduzent*innen. Heute setzt mensch auf Plantagen mit Spindelbäumen, die ähnlich wie Wein auf Drähten als Spalierobst gezogen werden. Oder zumindest kleine und niedrige Bäumchen in dichten Plantagenbeständen, denn in Zeiten der Massenproduktion will niemand mehr auf eine Leiter steigen müssen. Das kostet nämlich Zeit, und Zeit ist ja bekanntlich Geld.
Das ist sehr schade, denn Streuobstwiesen haben auch einen ökologischen Mehrwert. Nicht nur, dass sie die südburgenländische Landschaft prägen, sie beherbergen auch viele Tierarten, die mit dem Verschwinden der Streuobstwiesen zunehmend selbst vom Verschwinden bedroht sind. Zum Beispiel der Wiedehopf, der in natürlichen Baumhöhlen oder in verlassenen Spechthöhlen brütet – besonders in alten Obstbäumen, da der Baum für eine Höhle ja auch dick genug sein muss. Deswegen sind Streuobstwiesen mit zunehmendem Alter immer wichtiger für diese Tierarten.
„Moderne” Anlagen bieten diesen Tieren hingegen nichts. Klein gehalten, überdüngt und auf Höchstleisting getrimmt, ist es oft wirtschaftlicher, die gesamte Anlage nach einigen Jahren, wenn die Höchstertragsleistung überschritten ist, zu roden und neu aufzupflanzen.

Besonders alte Streuobstwiesen sind auch eine Quelle für alte und seltene Obst-Sorten, die es wiederzuentdecken gilt. Seit einigen Jahren bemüht sich daher der Verein „Wieseninitiative” um den Erhalt dieser besonderen Natur- und Kulturgüter. So soll die Verarbeitung von Obst aus Streuobstwiesen wieder belebt werden. Seit einem Jahr gibt es daher auch das eigens entwickelte „Streuobstwiesn”-Siegel, um auf die Herkunft und Besonderheit der Produkte hinweisen zu können.
Bestimmt ist die Pflege einer alten Streuobstwiese aufwändig – alle Arbeiten an den Bäumen, vom Schnitt bis zur Ernte, erfordern Leitern. Aber sie entschädigen mit hervorragendem Obst, oft in besonderen Sorten, und meistens sind sie Bäume von weit besserer Gesundheit als jene in Plantagen. Und sie sind darüber hinaus ein Stück Natur, Kultur und gewissermaßen auch burgenländische Identität.

Wer so eine alte Streuobstwiese geerbt oder erstanden hat, und sie erhalten will, kann über die Wieseninitiative Kurse zu Baumschnitt oder Veredelung, aber auch Mistelschnitt-Workshops besuchen, und selbst einer/einem unbekannte Obstsorten lassen sich über den Verein bestimmen. Wer Bäume hat, aber das Obst selbst nicht nützt, sollte auf jeden Fall mal beim Verein nachfragen, ob die Früchte für andere interessant sein könnten!

Hier die Adressen: www.streuobstwiesn.at und der Verein www.wiese.at

Apropos Obst: Wer noch Obst sucht, wird vielleicht auch bei www.mundraub.org fündig. Hier können frei zugängliche Obstbäume und Sträucher auf einer Online-Karte eingetragen werden, sodass andere sie nutzen können, um Früchte zu ernten. Derzeit liegt der Fokus allerdings noch auf den großen Städten. Könnten wir alle aber natürlich auch ändern, indem wir selbst Obst-Standorte in die Karte eintragen 🙂

Wo wir schon dabei sein: Hat jemand von euch ungenutzte Apfel- oder Birnenbäume in der Gegend Bezirk Oberwart oder Güssing, die zu beernten wären? Wir würden gerne Saft machen, haben aber selbst nicht soo viele Bäume. Würde uns sehr freuen!

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Ein Gedanke zu „Von da Wies’n

  1. Pingback: Link-Tipps November 2013

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