Entscheidung

Vor ungefähr drei Jahren starteten wir gemeinsam mit einigen gemüsehungrigen Menschen das Projekt Solidarische Landwirtschaft Sepplashof. Es waren drei abenteuerliche, herausfordernde und sehr schöne Jahre für uns.

Wir starteten Anfang 2013 in Riedlingsdorf, auf einer kleinen gepachteten Fläche. Im zweiten Jahr übersiedelten wir mit dem Gemüse-Anbau nach Litzelsdorf, auf den „richtigen“ Sepplashof, wo wir mittlerweile auch unser neues Zuhause haben.

Die Bearbeitung des Bodens und der Aufbau von Infrastruktur (Anzuchthaus, Folientunnel, Geräte,..) waren wesentliche Aufgaben vor Ort. Die Jungpflanzenanzucht sowie der Gemüseanbau ließen es nie langweilig für uns werden. Manches funktionierte von Beginn an super, manches brachte uns an unsere Grenzen. Unser Anspruch, möglichst alle in unseren Breitengraden üblichen Gemüsekulturen für unsere Ernteteiler*innen anzubauen, ließ uns auch dann und wann verzweifeln. „Gibt es nicht vielleicht doch einen guten Grund, warum hier in unserer Region niemand feldmäßig Erdäpfeln anbaut?!“, dachten wir uns, als wir mit Grabgabel und Hacke ernteten und jede einzelne Kartoffeln händisch vom schweren, schmierigen Lehm und Ton befreiten. „War es nicht doch etwa eine absurde Idee, in Hanglage Gemüse anzubauen?!“, fragten wir uns, als schwere Niederschläge erneut die frisch ausgebrachte Saat bzw. das mühsam vorbereitete Saatbett inklusive fein verteiltem Kompost den Hügel runterschwemmte. „Ist es nicht doch vielleicht nachvollziehbar, wieso im Feldgemüsebau mit professionellen Bewässerungsanlagen gearbeitet wird?!“, sagten wir uns, als es vergangene Saison wochenlang keinen einzigen Tropfen Regen gab und einige Kulturen deshalb in Blüte gingen bzw. nicht gedeihen konnten.

Immer wieder vergegenwärtigten wir uns, welche Tätigkeiten aufgrund fehlender Infrastruktur sowie aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse nicht möglich sind und daher unverhältnismäßig viel Handarbeit bedingen. Handarbeit, die an unseren Kräften zehrt, die außerordentlich zeitaufwändig ist, und die zuguterletzt in keiner Relation zu unserem Einkommen durch die SoLawi steht.

Versteht uns nicht falsch: Es war und ist sehr wohl möglich, mit unseren Rahmenbedingungen qualitätsvolles Bio-Gemüse anzubauen! Unsere wöchentliche Ernte war der Beweis – jeden Freitag gab es eine bunte Vielfalt an Gemüse, die vor allem im zweiten und dritten Jahr in dieser Menge für so manche*n Ernteteiler*in gar nicht mehr innerhalb einer Woche zu verspeisen war 😉

Die Frage für uns ist jedoch auch: Mit welchen Auswirkungen ist dies verbunden, sowohl in Bezug auf unsere körperlichen und psychischen Ressourcen als auch unsere verfügbare (Lebens-)Zeit? Und: Ist das eine vernünftige, langfristige Perspektive?

Schließlich brachten uns diese Fragen zu dem Entschluss, vorerst mit dem Projekt Solidarische Landwirtschaft auszusetzen.
Es gibt nicht ein einziges Motiv, welches uns zu dieser Entscheidung bewegt hat, sondern ein Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Aspekte, die wir in diesem Beitrag nur grob umreißen können.

Unsere Ernteteiler*innen bedauern unsere Entscheidung, und sind teilweise verwundert, da sie ja stets mit leckerem Gemüse nachhause gingen – so manche/r fragt sich vielleicht: Was also hat denn eigentlich nicht geklappt? Das ist es auch, was uns die Entscheidung so besonders schwer gemacht hat: Wir sind – zumindest unserer Auffassung nach – nicht „gescheitert“ im Sinne eines Mißlingens des Projekts. Im Gegenteil: Wir haben in den drei Jahren unglaublich viel gelernt! Wir haben unsere Kompetenzen im Bio-Gemüsebau und in der gesamten Organisation eines solchen Projekts bedeutend ausgebaut. Wir wurden immer routinierter und trauen uns mittlerweile viel mehr zu als zu Beginn. Wir haben von Jahr zu Jahr eine größere Menge Gemüse angebaut und geerntet. Vergangenes Jahr haben wir 48 Haushalte mit Sepplashof-Gemüse versorgt.

Nichtsdestotrotz reflektierten wir stets unser Tun, führten einen angeregten Diskurs rund um die Möglichkeiten und Grenzen des Modells Solidarische Landwirtschaft, unsere individuellen Rahmenbedingungen vor Ort, unsere persönlichen Wünsche, Bedürfnisse und Optionen. Wir diskutierten auch viel über die vorherrschende Agrarpolitik, welche unsere Existenz als Bäuerinnen und Bauern schließlich maßgeblich mitbestimmt und Kleinstbetriebe wie den Unseren massiv benachteiligt.

Das Fazit all dessen ist nun erst einmal eine Pause, eine Winterruhe der besonderen Art. Wir wollen uns sorgfältig damit beschäftigen, wie es mit dem Sepplashof weitergehen soll. Denn dass es weitergehen soll, ist klar! Gemüse ist unsere Leidenschaft.
Also erst mal back to the roots. Wohin uns der Weg führt ist noch nicht klar. Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Danke an dieser Stelle an alle, die uns in den letzten drei Jahren unterstützt haben! Danke an unsere Familien, unsere Freund*innen, unsere SoLawi-Kolleg*innen. Ein großer Dank gilt auch unseren Ernteteiler*innen, die uns vertraut haben und mit uns gemeinsam diesen Weg gegangen sind!

In diesem Sinne:

<< Preguntando caminamos! – Fragend schreiten wir voran! >>

[Leitmotiv der zapatistischen Autonomiebewegung]

 

 

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